Zielorientierte Pflegeplanung
Zielorientierte Pflegeplanung
Zielorientierte Pflegeplanung
Zielorientierte Pflegeplanung

Pflegeziele

Welches Ziel hat die individuelle selbstpflege*?

Da der Medizin u. a. das Ziel, die menschlichen Körperfunktionen zu heilen (kurativ) vorbehalten ist, liegt bei der Pflege der Fokus auf das Erhalten (präventive Pflege) bzw. Wiederherstellen (rehabilitative Pflege) von diesen und auf das Lindern von diesbezüglichen  Leiden (palliative Pflege).

 

Wenn eine Person diese Pflege selbstständig durchführen kann, spricht man von Selbstpflege*.

 

Eine 'gute' Selbstpflege führt dazu, die menschliche Funktionsfähigkeit ('Gesundheit') in dem qualitativen und quantitativen Maße so zu erhalten, wie dieses individuell als ausreichend empfunden bzw. bewertet wird (Autonomie).

 

Der Wert 'Autonomie' ist neben dem Wert 'Gesundheit' ein wesentlicher Bestandteil des individuellen Empfindens von Lebensqualität.

 

Kann eine Person ihren individuellen Selbstpflegebedarf* vollständig bzw. teilweise nicht mehr durch eigene Ressourcen (Selbstpflegefähigkeiten*) decken, ist diese auf Hilfe angewiesen (es besteht ein Selbstpflegedefizit*).

 

Die benötigten Hilfemaßnahmen (Pflegehandlungen)  können durch professionelle Pflegefachkräfte geplant, organisiert, durchgeführt und evaluiert (überprüft, ausgewertet) werden.

 

Der Maßstab, an dem das Ergebnis evaluiert werden kann, ist das Ziel der professionellen Pflege.

 

Für die professionelle Pflege gilt es nun, ein Selbstpflegedefizit* so auszugleichen (kompensieren),  dass dies zum gleichen Ergebnis (Pflegeziel) führt, wie es der zu Pflegende, bei einer 'guten' (individuellen, autonomen) Selbstpflege, anstrebt.

Welches Ziel hat die profESSIONELLE Pflege?

Die professionelle Pflege hat das Ziel, die individuelle Autonomie des zu Pflegenden zu erhalten, fördern oder wiederherzustellen!

 

Dies geschieht, unter Berücksichtigung aller internen und externen Ressourcen, dadurch, dass

 

  • Einschränkungen ausgeglichen werden (Kompensative Pflegeziele).
  • Risikofaktoren reduziert werden (Präventive Pflegeziele).
  • Fähigkeiten/Fertigkeiten gestärkt bzw. wieder erlernt werden (Rehabilitative Pflegeziele).
  • Leiden gelindert werden (Palliative Pflegeziele).

Zielformulierung nach der SMART-Struktur

Pflegeziele werden gemeinsam mit der/dem Pflegebedürftigen festgelegt und sollen SMART formuliert werden, denn nur solche Ziele können evaluiert werden!

 

  • Specific (spezifisch) – Das Ziel bezieht sich auf einen ganz konkreten Bereich. („target a specific area for improvement“)
  • Measurable (messbar) – Das Ziel ist messbar oder es gibt zumindest einen Indikator für eine Verbesserung. („quantify or at least suggest an indicator of progress“)
  • Assignable (zuordenbar) – Das Ziel ist klar einer Person zugeordnet. („specify who will do it“)
  • Realistic (realistisch) – Es ist klar festgehalten, welche Ergebnisse unter den gegebenen Rahmenbedingungen realistischer Weise zu erwarten sind. („state what results can realistically be achieved, given available resources“)
  • Time-related  (terminiert) – Es gibt einen klaren Zeitpunkt, bis wann das Ziel erreicht werden soll. („specify when the result(s) can be achieved“

nach George T. Doran (1981)

Formulierungsbeispiele

Ziele beschreiben einen (positiven) IST-Zustand!

 

Kompensatives Pflegeziel

 

= das Defizit ist ausgeglichen.

  • Frau/Herr XYs Gesicht ist 2 x tägl. nach ihren/seinen Wünschen gepflegt.
  • Frau/Herr XYs Blutdruck ist nach ärztl. Anordnung gemessen.
  • Frau/Herr XY ist stets situationsgerecht gekleidet.
  • Frau/Herr XYs Hörgeräte sind tagsüber korrekt eingesetzt.
  •  

= die Funktionsstörung ist unabhängig bzw. abhängig kompensiert

  • Frau/Herr XYs Inkontinenz ist stets unabhängig kompensiert. (keine Unterstützung im Umgang mit Hilfsmitteln notwendig)
  • Frau/Herr XYs Inkontinenz ist stets abhängig kompensiert. (Unterstützung im Umgang mit Hilfsmitteln)

 

Präventives Pflegeziel

 

= der Risikofaktor ist reduziert.

  • Frau/Herr XYs Druckentlastung ist stets ausreichend.
  • Frau/Herr XYs Nahrungsaufnahme ist stets ausreichend.
  • Frau/Herr XYs Darmperestaltig ist stets ausreichend.
  • Frau/Herr XYs venöse Rückfluss ist stets ausreichend.

 

Rehabilitatives Pflegeziel

 

= die Fähigkeit/Fertigkeit (Ressource) ist entwickel/gestärkt.

  • Frau/Herr XYs Schluckreflex ist bis zum (Datum) vollständig intakt.
  • Frau/Herr XYs Merkfähigkeit ist bis zum (Datum) um 10 % verbessert.
  • Frau/Herr XYs Gleichgewichtssinn ist bis zum (Datum) nach eigener Aussage stabilisiert.
  • Frau/Herr XYs Gehfähigkeit ist bis zum (Datum) um 10 m verbessert.

 

Palliatives Pflegeziel

 

= das Leiden ist gelindert.

  • Frau/Herr XYs Kopfschmerzen sind bei Bedarf um 3 Punkte (Schmerzskala) gelindert.
  • Frau/Herr XYs Juckreiz ist bei Bedarf nach eigener Aussage reduziert.
  • Frau/Herr XYs Temperatur ist bei Bedarf auf max. 37,5 °C reduziert.
  • Frau/Herr XYs Sodbrennen ist bei Bedarf nach eigener Ausssage gelindert.

* Selbstpflege im Sinne von Dorothea Orem, vergl. Connie M. Dennis: Dorothea Orem: Selbstpflege- und Selbstpflegedefizit-Theorie. Huber, Bern, 2001

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